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Sommerzeit – Schwimmbadzeit

Badevergnügen in Rüdesheim am Rhein

 

Schon immer gab es für viele Rüdesheimer nichts Schöneres, als sich an heißen Tagen im kühlen, damals noch klaren Rhein zu erfrischen. Schon um 1843 gab es in Rüdesheim eine eigene „Rheinbad-Gesellschaft“. In einem Badehaus am Rheinufer am Adlerturm waren hölzerne Badezuber mit kühlem oder angewärmtem Rheinwasser gefüllt, wurde frische Badewäsche gereicht und Mutige konnten gar hinter Segeltuchwänden direkt in den Strom warten – ein exklusives Vergnügen für die wohlsituierten Bürger.

 

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Für die einfachen Leute und deren Kinder waren aber die Eintrittspreise zu teuer; sie legten ihre Kleider am Ufer ab und hüpften einfach in den Rhein. Wenn von den vorüberfahrenden Rheindampfern Touristen ein nacktes Mannsbild in den Wellen gewahrten, hagelte es Proteste bei der Obrigkeit. Preußens Staatsdiener gingen gegen die Bäderei energisch vor und erließen erstmals am 11.06.1869 eine Polizeiverordnung, die aber mehr auf die Vermeidung von Unschicklichkeiten als auf die Sicherheit der Schwimmenden bedacht war.

1867 verpachtete die „Rheinbad-Gesellschaft“ das Bad an den Schiffer Georg Maul. Seit etwa 1870 gab es als eine neue Möglichkeit des Badevergnügens die schwimmende Bade-Anstalt, wie sie in mehreren Rheinorten eingerichtet wurde: Auf Pontons schwamm eine größere, hölzerne Plattform. In diese war als Schwimmbassin ein eiserner Käfig mit Holzboden ins Rheinwasser eingehängt, wo sich die Badelustigen einigermaßen gefahrlos tummeln konnten. Zur Landseite schirmten Bretterbuden mit Umkleidekabinen den Einblick ab. Am Steg, der zur Badeanstalt führte, wurden Getränke verkauft, sowie Badekostüme und Handtücher verliehen.

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In Rüdesheim gab es zunächst zwei Badeanstalten, die von den Schiffern Phil. Jak. Fischer und Georg Maul betrieben wurden. 1891 verkaufte Fischer seine Anstalt an Maul, der dann lange das Bademonopol in Rüdesheim innehatte.

 

Mit der Zeit gesellte sich zur Sicherheit und Schicklichkeit ein neues Problem: die Hygiene. 1904 wies erstmals der Landrat darauf hin, dass das Wasser des Mains, das am rechten Rheinufer entlangfloss, von den Großstädten und Fabriken stark verunreinigt sei. Auch aus den Kanälen Rüdesheims flossen die Abwässer durch die Maul’sche Badeanstalt, die vor der Einmündung der Drosselgasse verankert war. Deshalb wurde ein neuer Badeplatz weiter stromauf, oberhalb der „Grabenduhl“ bestimmt. Aber auch hier hatte der Amtsarzt Bedenken wegen der Seuchengefahr und empfahl, die Badeanstalt in die Strommitte zu verlegen, wo das Wasser sauberer sei. Doch hier war der Wellenschlag der großen Raddampfer sehr stark und ein eigenes Zubringerboot zur Badeanstalt würde die Eintrittspreise verteuern.

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Jahrelang wurden diese Probleme von den Behörden erläutert, ja 1911 erhielt Maul gar die Erlaubnis, seine Badeanstalt wieder vor die Drosselgasse zu legen, weil Rüdesheim inzwischen kanalisiert worden war. Letzten Endes behielt die Ehefrau des Georg Maul mit ihrer Behauptung Recht, dass noch niemand an dem Wasser ihrer Badeanstalt erkrankt sei. – Mehr Ärger hatte sie aber mit Fräulein Marx, Leiterin der Höheren Töchterschule in Rüdesheim: Diese beklagte 1911 beim Bürgermeister die mangelnde Zucht in der Badeanstalt. Ihre Mädchen seien von frechen Buben, die unter der Absperrung hindurch tauchten, begafft und belästigt worden. Auch hätten die Mädchen dort Zigaretten geraucht, wogegen Frau Maul nicht eingeschritten sei. Frau Maul konterte recht massiv, dass Frau Marx ihr Geschäft schädige mit der unsinnigen Behauptung, für Mädchen sei es ungesund, mehr als zweimal in der Woche zu baden. Außerdem habe sie die Mädchen sehr wohl vor dem Rauchen gewarnt mit dem Hinweis, dass ihr selbst bei der ersten Zigarette fürchterlich schlecht geworden sei.

 

Seitdem es nun in Rüdesheim diese Badeanstalten gab, wurde das Baden im freien Rhein grundsätzlich verboten. Stattdessen durften Minderbemittelte die Badeanstalt an bestimmten Zeiten frühmorgens und abends zu einem vergünstigten Preis von 5 Pfennig aufsuchen. Frauen durften erst seit 1911 die Badeanstalt zu eigenen Badezeiten besuchen. Für diese Regelung als Volksbad gewährte die Stadt dem Georg Maul einen jährlichen Zuschuss.

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1916 vererbte Georg Maul die Badeanstalt an seinen Sohn Heinrich, der fortan vor den Rheinanlagen ankern musste. Die Zeiten waren schlecht, die Einnahmen gering und so bot er 1922 an, dass die Stadtverwaltung die Badeanstalt in eigener Regie übernehme. Weil das Bad aber nach vielen Jahren des Auf- und Abbauens recht reparaturbedürftig geworden war, lehnte die Stadt ab und förderte stattdessen den Bau eines Badebeckens mitten in den Wiesen der Rheinanlagen.

 

Im Mai 1927 wurde das Wiesengelände hinter den Schrebergärten, durch den Rüdesheimers Heinrich Kaiser übernommen und zu einem Strandbad ausgebaut. In über 2 Morgen Gelände entstehen ein Badebassin von 50 x 15 m sowie Liegewiesen, Planschbecken und Spielgelegenheiten sowie eine Erfrischungshalle. 

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Am 29.06.1928 war dieses neue „Hindenburg-Bad“ fertiggestellt. Damals hatte man aber noch wenig Erfahrung mit der Aufbereitung des Badewassers, das rasch veralgte und zur Brutstätte von Schnaken wurde. Gleichzeitig bemühte sich der Schiffer Braun, anstelle des baufälligen „Maule-Bads“ eine neue schwimmende Badeanstalt zu installieren, die aber wegen des Krieges nicht mehr eröffnet werden konnte. Am 25.05.1952 wurde am Rheinufer vor dem Hafen eine Rheinbadeanstalt mit Strandcafé eröffnet, das allgemein begrüßt wurde. Doch schon einen Monat später ließ es der auswärtige Unternehmer nach Bingen schwimmen, wo ihm bessere Bedingungen geboten werden.

 

Seit 1957 kann man im neuerrichteten „Asbach-Bad“ mit Blick auf den Rhein und seinem regen Schiffsverkehr gefahrloser schwimmen als in allen vorhergehenden Schwimm- und Bade-Anstalten. Nach dem Richtfest im April 1957 und der Taufe durch Hermann Asbach auf den Namen „Asbach-Bad“ wurde wenig später am 07. Juni 1957 das neue Freibad, an dem heute noch bestehenden Ort, mit einem Schwimmfest feierlich eröffnet. 

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Das moderne Freibad bietet heute ein 50 Meter langes Schwimmbecken mit Startblöcken und abgegrenztem Nichtschwimmerbereich. Ein Sprungturm mit 1m, 3m und 5m-Brett, in einem 4m tiefen Sprungbereich, lässt nicht nur Herzen höher hüpfen. Zu den Attraktionen des Asbach-Bades gehören Nackenduschen, ein Strömungskanal, ein breiter Wasserfall und eine große Rutsche im Nichtschwimmerbereich. Ein separater Kleinkinderbereich mit Schiffchenkanal, Wasserpilz Bodenblubber, Wasserfall und Rutsche und einem Sonnensegel als Schutz bietet viel Entfaltungsmöglichkeit für die Kleinsten. Eine großzügige Liegewiese, die bis nahe zum Rheinufer geht, bietet viele Schattenplätze unter alten Bäumen. Für sportliche gibt es ein Volleyballnetz und einen Basketballkorb im hinteren Liegewiesenbereich. Ein kleiner Kiosk mit sonniger Terrasse bietet Snacks, Eis und Getränke. Und somit steht einem erholsamen Tag in erfrischendem Nass ganz nahe an Vater Rhein, nichts im Wege.

 

 

 

© Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein, Juli 2016

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